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29/03/2019
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Internationaler Weltfrauentag – Es braucht mehr Frauen in der Nothilfe

Was hält Frauen davon ab, in humanitären Notfall-Teams zu arbeiten?

Es ist sehr wichtig, dass Frauen in Katastrophen und Notfällen eine größere Rolle übernehmen. Das kann schwerwiegende Konsequenzen verhindern helfen – wie Gewalt gegen Frauen, einschließlich sexueller Gewalt und psychischer Gewalt. Denn es ist nicht zuletzt die Anwesenheit von Frauen, die die Rechte von Frauen schützt.“

Nadege Pierre, Ersthelferin bei Hurrikan Matthew in Haiti, 2016.

Naturkatastrophen und humanitäre Krisen treffen Frauen und Mädchen oft am härtesten. Für Frauen ist die Wahrscheinlichkeit höher, bei einer Naturkatstrophe zu sterben. Sie sind in Krisen häufiger Opfer von sexueller Gewalt und Menschenhandel. Der Bereich „Gender in Emergencies“ beschäftigt sich genau damit. Dazu gehört aber auch, Aufmerksamkeit auf die Hilfsteams selbst zu lenken.

Katastrophen und Krisen erfordern immer rasches Handeln. Dabei werden die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen eher übersehen, wenn humanitäre Einsatzteams überwiegend aus Männern bestehen. Die Erfahrung zeigt, dass Männer hauptsächlich zu Männern in von Katastrophen betroffenen Gemeinschaften sprechen.

Um das zu ändern, braucht es mehr Frauen in den Einsatzteams. Sie können sicherstellen, dass die Bedürfnisse und Rechte von Frauen und Mädchen in Notfällen beachtet werden. Dazu gehören gut beleuchtete Wege in den Flüchtlingslagern, kurze Strecken zu Wasserstellen, absperrbare sanitäre Anlagen oder medizinische Betreuung für Schwangere. In vielen Kulturen dringen nur Frauen wirklich zu Frauen durch. Frauen öffnen sich oft nur ihresgleichen, wenn es darum geht, Erlebtes zu berichten und Bedürfnisse offen auszusprechen.

In einer Welt mit immer größer werdenden humanitären Krisen sind es besonders Frauen und Mädchen, die mit komplexen Rechtsverletzungen konfrontiert sind. Geschlechterungerechtigkeit im Haushalt, in der Familie und auf gesellschaftlicher Ebene schränken die Fähigkeiten von Frauen ein, auf Hilfe zuzugreifen oder überhaupt Gehör zu finden. Darüber hinaus werden ihre Bedürfnisse bei Hilfsmaßnahmen oft übersehen, was bereits bestehende Schwachstellen und Ungleichheiten zusätzlich verschärft. Laut UNFPA werden besonders die Gesundheitsbedürfnisse von Frauen in Krisen häufig vernachlässigt: Müttersterblichkeit geschieht zu einem höheren Anteil in von Konflikten oder Katastrophen betroffenen Ländern. Weltweit haben über 35% der Frauen geschlechtsspezifische Gewalt erlebt. Studien zeigen, dass Gewalt gegen Frauen in humanitären Krisen sogar zunimmt. Dennoch fallen die Programme für den Schutz von Frauen – im Vergleich zu anderen Hilfsmaßnahmen – bescheiden aus.

„Surge Capacity“ beschreibt die Fähigkeit und Methode, Ressourcen in Katastrophen und Notfällen reibungslos und schnell bereitzustellen. Dazu gehört, die richtigen Leute an den richtigen Stellen einzusetzen – einfach, um in kürzester Zeit die richtigen Dinge zu tun. Die „richtigen Leute“: Das bedeutet nicht zuletzt, für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen in den Einsatzteams zu sorgen. Warum? Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus und sind von Katastrophen überproportional betroffen. Um den Bedürfnissen von Frauen in Katastrophen gerecht zu werden, müssen wir als humanitäre Organisationen sicherstellen, dass Frauen in der Nothilfe gleichberechtigt vertreten sind.

Frauen stellen in den humanitären Einsatzteams nach wie vor eine Minderheit dar. Was hält Frauen davon ab, auf Nothilfe-Einsätze zu gehen? „Es ist ein schwieriger Lebensstil“, sagt Kathleen O’Brien, die bei CARE für die Vermittlung der Einsatzkräfte zuständig ist. „Man weiß nie, wann der nächste mehrwöchige Einsatz stattfindet.“

Ein Report von CARE und ActionAid, der auf Interviews mit Nothelferinnen beruht, hat sich die Barrieren genauer angesehen. Befragt wurden Nothelferinnen, die bereits von zahlreichen humanitären Organisationen auf mehrwöchige Einsätze entsendet wurden. Von den Frauen als hinderlich für eine Entsendung angeführt werden u.a. Aspekte der persönlichen Sicherheit, Umgang mit der Monatshygiene bei einem Feldeinsatz, Betreuung der Kinder zuhause, geringeres Selbstvertrauen in einem männlich dominierten Umfeld, festgefahrene Rollenbilder, sexistisches Verhalten, gemischte Unterkünfte mit Männern, mangelnde Privatsphäre.

Müttern wird eher als Vätern nachgesagt, dass sie ihre Familie im Stich lassen, wenn sie beruflich mehrere Wochen unterwegs sind. Viele der Befragten gaben an, ohne einen unterstützenden Partner diese Arbeit überhaupt nicht machen zu können.

Entsprechend sind es spezifische Maßnahmen, die hier eine positive Veränderung einleiten können, damit Frauen in den Notfall-Teams bleiben: starke weibliche „Role Models“ in den Einsatzteams, männliche Sensibilisierung über Monatshygiene, Peer-Unterstützung (auch außerhalb des Einsatzlandes), Zugang zu Kinderbetreuung, Trainings zu u.a. Stressverhalten und gegenseitiger Unterstützung, Richtlinien für eine Work-Life Balance seitens der Organisation, Diskussion und Benennung von versteckten, unsichtbaren Machtstrukturen und Rollenbildern („boys club“), Safe Spaces für Nothelferinnen und separate Unterbringung im Feld. Nicht zuletzt gaben die Nothelferinnen an, dass die Möglichkeit, offen Bedenken zu äußern und empathische Unterstützung zu erhalten, ein wichtiger Faktor für den Verbleib im Einsatzteam war.

CARE hat ein geschlechtergerechtes „Rapid Response Team“. Im Jahr 2016 waren

bereits 57% der Nothilfe-Teams weiblich besetzt. CARE legt großes Augenmerk auf die Bewusstmachung und in weiterer Folge Reduzierung geschlechtsstereotyper Jobprofile – Stichwort männlicher Logistiker oder weibliche Kommunikationsperson.

Mehr dazu hier: How can Humanitarian Organisations Encourage More Women in Surge?

Link: https://insights.careinternational.org.uk/media/k2/attachments/CARE_ActionAid_women-in-surge-report_April-2017.pdf

Ein Beitrag von CARE Österreich